Gear Review: Surfhelm Mystic Legacy

Gear Review: Surfhelm Mystic Legacy

Helme beim Surfen? Wie bei so vielen Accessoires, die für unsere Sicherheit gedacht sind, scheiden sich auch wenn es um den Surfhelm geht die Geister. Aber: Als die ersten Leashes damals auf den Markt kamen, wurden sie verpönt. Und heutzutage sieht man kaum wen ohne im Line-up. Der Helm zählt allerdings für viele Surfer noch immer nicht zu den Essentials. 

Man fühlt sich damit einfach nicht so frei – und dabei geht’s doch schließlich beim Surfen, oder? Dasselbe könnte man jedoch auch vom Mountainbiken, Motorradfahren, Snowboarden oder Skifahren und vielen anderen Sportarten behaupten. Bei denen ist es hingegen mehr als normal, und in den meisten Fällen sogar Pflicht, einen Helm zu tragen.

Rückblick: Der Gebrauch von Helmen beim Surfen

Helme für's Surfen sind keine Innovation. Bereits in den 90ern traten die ersten Pros wie Tom Carroll mit Helm an, wobei er damals noch zu der Minderheit gehörte. Bei den Olympischen Spielen 2024 wiederum waren fast die Hälfte aller Teilnehmer mit Helm im Wasser. Dass sich die meisten Surfer trotz alledem noch immer schwer tun, ihn als Teil ihrer Ausrüstung zu betrachten, haben auch die Produktentwickler von Mystic bemerkt.

Die Marke mit Sitz in Katwijk, Niederlanden, wird von vielen eher mit dem Kitesurfen in Verbindung gebracht, allerdings hat sich seit ihrer Gründung vor 24 Jahren so einiges getan. Mittlerweile handelt es sich um eine Allround-Boardsports-Brand. Daher war es für Mystic selbstverständlich, die Herausforderung anzunehmen, einen Helm zu entwickeln, der auch den noch so größten Puristen unter den Surfern überzeugt.

Umso trockener die Wellen brechen, umso besser, wenn man geschützt ist.

Der Gedanke hinter dem Mystic Legacy

Wie die Produktentwickler erklären, können sie das Widerstreben der Wellenreiter durchaus nachvollziehen. Auch wenn die Gefahren beim Surfen offensichtlich sind: Reef, Felsen, Surfboards und Finnen anderer Surfer – genauso wie das eigene Material. All das kann eine legendäre Session schnell zum Alptraum machen. Trotzdem verzichten wir in den meisten Fällen noch immer, ohne darüber nachzudenken, auf den Helm. Abgesehen vom Style-Faktor – wobei mal ehrlich, Neos sind auch nicht viel vorteilhafter für den Look und die stellt keiner infrage – sind Helme im Wasser doch irgendwie unbequem und hinderlich. Sie schränken das Sichtfeld ein, stören beim Duck-Dive und an windigen Tagen pfeift’s im Ohr.

Laut der Produktdesigner von Mystic, haben sie sich genau diese Kritikpunkte als Leitfaden bei der Entwicklung des Legacy Helms genommen. Bezüglich der Passform haben sie Unmengen an Daten über Schädelgrößen und -formen gesammelt, um präzise Mittelwerte zu erhalten. Da unsere Köpfe trotzdem alle unterschiedlich geformt sind, wurde am Hinterkopf eine flexible Stelle eingebaut, an der man auch die Größe verstellen kann. Abgesehen davon ist die Passform recht eng, ähnlich wie eine Haube. Zusätzlich sind Schlitze eingebaut, um Wasser und Luft durchzulassen, damit der Helm beim Untertauchen kein Hindernis darstellt. An den Seiten wurde ein geräuschoptimiertes Ohrenschild angebracht.

Technische Daten: 

  • Größen: XS/S 53–55 cm, M/L 56–58 cm, XL/XXL 59–61 cm
  • Farben: Navy, mattes Weiß, Rot, Schwarz
  • Material: ABS-Außenschale & EVA-Innenteil 
  • Preis: 159,99 € (gratis Versand ab 149 € + 30 Tage Rückgaberecht) 

Soweit, so gut. Die Präsentation ist sehr überzeugend, aber wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Wir haben den Mystic Legacy Helm ausprobiert. 

Erfahrungsbericht zum Mystic Legacy

Ich hatte meine Zweifel bei der Größenangabe, da mein Kopf genau 55 cm Umfang hat und die Größe XS/S bei 55 cm endet. Natürlich ist es immer besser, einen Helm vor dem Kauf persönlich anzuprobieren, aber das geht nun mal leider nicht immer. Beim ersten Anprobieren im Trockenen war ich daher ein bisschen skeptisch. Außerdem drückte der sehr solide wirkende Helm doch mehr als gedacht.

Das Problem war jedoch schnell behoben, da man das flexible Teil am Hinterkopf ganz einfach lockern und weiten kann. Wir haben das mit drei verschiedenen Köpfen ausprobiert und nach dem Anpassen keinen Druck gespürt.

Der Innenteil ist angenehm weich und gepolstert, was bei meinem ersten Test – bewölkt, 35 km/h Wind und selbst für Fuerteventura eher frische Temperaturen – von Vorteil war. Adé, Ohrenschmerzen. In den darauffolgenden Sessions war es allerdings windstill und die Temperaturen um einiges höher, was mir dann doch etwas zu warm war. Kommt natürlich darauf an, wie empfindlich man da ist. Zum Beispiel für tropische Konditionen, würde ich wahrscheinlich nach einer weniger gefütterten Variante suchen.

Der Legacy ist an zwei Stellen anpassbar: am Hinterkopf und am Kinn.

Meine größten Bedenken hatte ich bezüglich der Sicht. Für gewöhnlich trage ich keinen Helm, und im Sommer stört mich selbst ein Hut mit Rand, der das Sichtfeld deutlich einschränkt. Bei dem Legacy Helm von Mystic war das überhaupt nicht der Fall. Wie die Entwickler erklärten, haben sie bewusst darauf geachtet, das Sichtfeld freizulassen und nur einen kleinen Rand am oberen Bereich anzuheben. So tropft das Wasser nach dem Wiederauftauchen nicht direkt in die Augen, sondern wird wie über eine Rinne geführt.

Geringer Widerstand beim Duck-Dive, dank der Luftschlitze im Helm.

Komfort: ***** → Trotz solider ABS-Außenschale, flexibel und weich. Sehr bequem.

Stabilität: ***** → Ich habe nicht absichtlich ausprobiert, kopfüber auf den Steinen zu landen, und wollte auch nicht unbedingt anderen Surfern in den Weg gelangen. Der Helm an sich fühlt sich solide an und das Video von Mystic mit den Härtetests ist doch sehr anschaulich.

Unter Wasser: **** → Man merkt, das man etwas auf dem Kopf hat, aber kein störender Widerstand.

Über Wasser: *** → An kalten Tagen super, hält angenehm warm. Wenn es windig ist, kommt ab und an ein Pfeifen durch und im Sommer eventuell zu warm.

Preisklasse: **** → Der Preis ist ähnlich wie bei anderen Marken derselben Qualität. Das Modell Eva von Gath kostet auch 130-160 €, ION hat ein paar günstigere Modelle um die 100 €, aber vergleichbar auch eins für 134 €. Dann gibt’s natürlich noch preisgünstigere Modelle von Decathlon.

Fazit

Ob man nun einen Helm beim Surfen nutzt oder nicht, ist jedem freigestellt, und für welche Marke und Preisstufe man sich entscheidet, kommt auf persönliche Vorlieben und Bedürfnisse an. Je nachdem, wo man unterwegs ist, kann er jedoch durchaus hilfreich sein, um sich sicherer zu fühlen und dementsprechend auch lockerer zu surfen. In jedem Fall kann ich den Legacy von Mystic empfehlen.

Robust, aber bequem. Gerade wenn man eher in kälteren Gewässern surft, sehr angenehm, da man sich die Haube – und schmerzende Ohren – sparen kann. Abgesehen davon ist man natürlich gegen Schläge geschützt.

Wenn man nur einmal im Jahr im Urlaub surfen geht, meint man vielleicht, es lohnt sich nicht, das Geld auszugeben, allerdings denke ich, ist es gerade da sinnvoll. Wenn man schließlich nach all der Zeit im Trocknen ein bisschen eingerostet ist, die Reaktionszeiten langsamer sind und man nicht ganz so gut ausweichen kann, ist ein Helm definitiv von Vorteil. Für Wasserfotographen ebenfalls super zu empfehlen. Der Legacy stört auch beim Schwimmen nicht, weil der Nackenbereich großzügig genug ist. In dem Fall würde ich eher rot oder weiß nehmen, damit man zusätzlich besser gesehen wird.

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Text & Fotos: Giulia Parise