Winter für Winter pilgern die Elite und alle, die etwas zu beweisen haben, an den legendärsten Küstenstreifen der Surfwelt. Als Fotograf an der North Shore bei der Bilderflut den Kopf über Wasser zu halten, ist nahezu unmöglich. Christa Joy Funk indet neue Perspektiven und haucht einem eigentlich totfotografierten Motiv wieder Leben ein.
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Dieser Artikel erschien im Blue Yearbook #2o. Gedruckt lesen sich solche Storys immer noch am besten. Alle Yearbooks kannst du ganz bequem in unserem Online Shop kaufen.
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Christa Funks Hingabe an ihr Handwerk zeugt von Disziplin, Mut und einer instinktiven Verbindung zu ihren Motiven. Die Entstehungsgeschichte ihrer bemerkenswerten Bilder ist untrennbar mit ihrer eigenen Biografie verbunden. Bereits in der Highschool erkämpfte sich Christa einen Platz im Förderprogramm für Fotografie. Nach dem Schulabschluss verschaffte ihr die langjährige Erfahrung als Wettkampfschwimmerin einen Platz an der Akademie der US-Küstenwache, wo sie Meeresumweltwissenschaften studierte. Anschließend war sie an Bord der USCGC Rush auf Hawaii stationiert und diente als Notfallplaner für die Rettungseinheiten im Sektor Honolulu.

"Anmut lässt sich nicht forcieren. Michelle Sembrano hat eine offene, bescheidene Persönlichkeit, die sich besonders beim Tauchen zeigt. Unsere gemeinsamen Freedives sind immer ein Highlight für mich."
In der Wasserfotografie fand sie eine Leidenschaft, die ihr Talent mit ihrem analytischen Verstand und ihrer eisernen Selbstbeherrschung verband. Fähigkeiten, die ihr helfen, wenn der Pazifik im Winter aufdreht und sie im Morgengrauen am Strand von Pipeline als Erste durch den Shore-break taucht.

"Auf dieses Bild habe ich lange hingearbeitet. Um eine Backdoor-Barrel aus der Pipe-Perspektive zu erwischen, müssen viele Elemente zusammenkommen. Die Welle steht im Mittelpunkt, der unbekannte Surfer ist nur ein Statist."
Unter allen gestandenen Fotografen, die sich jeden Winter auf Oahu durchschlagen, gibt es bestenfalls eine Handvoll, die bei den größten Swells mit nichts weiter als Flossen und Kamera rausschwimmen. Doch wenn die ersten Sets über das „Third Reef“ von Pipe federn, die Locals mit ihren Guns an der Wasserkante stehen und die meisten Kollegen hinter Teleskop-Linsen auf Abstand gehen, bringt sich Christa im Wasser in Position.

"Pipe war völlig außer Kontrolle. Ich stand lang an der Wasserkante und beobachtete den kochenden Lineup. Da rauszuschwimmen war für mich die mit Abstand härteste Herausforderung bisher. Dieses Bild von Guilherme Tamega war es mir wert."
„Für mich gibt es nichts Größeres, als Teil einer so unvergleichlichen Dynamik zu sein. Pipeline an solchen Tagen das Foto abzutrotzen, das ich im Kopf habe, ist jedes Mal wieder eine lohnende Herausforderung.“

"Leah Dawsons Style sagt so viel über ihre Persönlichkeit aus. Sie ist an Land wie im Wasser ruhig und verständnisvoll. Mein Zoom-Objektiv half mir, den Fokus voll und ganz auf ihre Ausstrahlung zu lenken."
Was für die meisten eine absurde Tiefstapelei wäre, ist für Christa die logische Konsequenz ihrer Vorbereitung: „Für gewöhnlich gehe ich alleine da raus. Das ist meine Chance, alles auszublenden und mich auf den Moment zu konzentrieren. Ich versuche, mich nicht auf die Rettungsschwimmer zu verlassen. Wenn ich mich in eine gefährliche Lage begebe, muss ich mir selbst genug vertrauen, um die Situation eigenständig zu bewältigen.“

"Flynn Novak war einer der Ersten, die sich Zeit nahmen, mir wirklich bei der Umsetzung meiner Vision zu helfen. Dies ist eines der seltenen Bilder, die ich vom Strand aus geschossen habe. Für diese Endsection kam nichts anderes in Frage, als Flynns typische Laybacks mit 400mm-Objektiv einzufangen."
Mit dieser Einstellung hat sich Christa über die Jahre den Respekt der männerdominierten Szene und einen festen Platz im Lineup der Wasserfotografen erkämpft. Ihre Position in den Wellen macht sie dabei von der Brennweite ihrer Objektive abhängig. Das Zusammenspiel von Licht, Perspektive und Entfernung macht für sie den Unterschied: „Ich bin auf der Jagd nach dem ‚Za-Za-Zu‘ – diesem gewissen Faktor, der das Publikum innehalten lässt. Für einen Augenblick sollen sie die Welt aus meinen Augen sehen können. Wenn der Moment intensiv ist, muss die Intensität spürbar sein. Wenn er poetisch ist, muss das Foto zum Träumen einladen. Es sind Sekundenbruchteile, aber der Eindruck, den sie hinterlassen, soll ewig halten.“

"Die Fotografen um mich herum hatten nur Augen für Gavin Beschen auf der ersten Welle des Sets. Doch die zweite war noch intensiver. Mein Mann, Jake DiPaola, wurde direkt vor mir aus dieser riesigen Barrel gespuckt, und ich war die einzige in Position für den Shot."
Christa ist sich ihrer Ausnahmerolle als Frau in dieser Branche bewusst. Dennoch will sie sich ausschließlich über ihre Arbeit definieren: „Wenn ich mich nicht darum schere, warum sollte es dann jemand anderes tun? Ich konkurriere mit anderen Fotografen. Was mich auszeichnet, ist das Resultat meiner Arbeitseinstellung und meine Leistungsbereitschaft. Das Wundervolle an meinem Beruf ist, dass ich letztendlich meine Bilder für mich sprechen lassen kann.“ Und ihre Bilder sprechen Bände.
„Fotografien sind eine greifbare Form des Zeitreisens. Sie transportieren
Emotionen, übertragen Erinnerungen – in einer universellen Sprache, die für jeden zugänglich ist.“
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Anmerkung der Redaktion: Die komplette Doku zu Christa Funk und ihrer Fotographie könnt ihr auf Red Bull TV kostenfrei anschauen.
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Text: Jan Blaffert
Fotos: Christa Funk

