Ein Projekt, das die Träume und Talente gleich mehrerer Enthusiasten, wenn auch zu verschiedenen Zeiten, zum Ausdruck bringt. Éric Tabarly begann 1975, Gabriel Terrasse übernahm 2019 und Romain Boulanger kam 2023 dazu. Abgesehen von ihrem Heimatland Frankreich gehören auch die Leidenschaft für das Meer, der Hang zum Träumen und der Wille, aus Träumen Realität zu machen, zu ihren Gemeinsamkeiten. In diesem Fall geht es um einen ganz bestimmten Traum: die L'Hydroptère.
Der Name stammt aus dem Griechischen (hydros = Wasser, pterion = Flügel) und wurde diesem kuriosen Boot, das einem Flugzeug gleicht, nicht ohne Grund gegeben.
„L’Hydroptère ist mehr als nur ein Boot; es ist eine Idee, eine Vision, eine Brücke zwischen zwei Welten“, sagt Gabriel Terrasse.
Der Pionier hinter dieser Brücke zwischen zwei Welten ist Éric Tabarly, berühmter Hochseesegler, der als Vater der französischen Segelbewegung gilt. 1975 zeichnete er erste Skizzen, allerdings sollte es 20 Jahre dauern, bis er 1995 endlich ein Team zusammentrommeln konnte, um dem Projekt Form zu geben. Mit viel Geduld und Durchhaltevermögen sorgte er schließlich dafür, dass der Tragflügel-Trimaran über den Ozean flog. 2009 brach er den Geschwindigkeitsrekord eines Bootes mit durchschnittlich 93 km/h und einer Spitzengeschwindigkeit von 103 km/h.
Die L'Hydroptère gilt als Haute Couture der Segelwelt, hebt bis zu 5 Meter ab und kann wie ein Motor mit 250 Pferdestärken beschleunigen. Eine Leistung, die selbst Big Wave Surfer Laird Hamilton beeindruckt, der sich 2012 von der L'Hydroptère auf seinem Foilboard ziehen ließ. Ein weiterer Rekord, für die L'Hydroptère, genauso wie für Hamilton.

Loïc Mazas kommt aus dem Inneren des 28 m langen Mastes hervor. + Der kleine Bruder des Hydroptère, .CH | Foto: Romain Boulanger
Wie das allerdings bei den Rockstars so ist, dauert die Glanzzeit nicht ewig an. Als ein weiterer Rekordversuch über eine Strecke von Los Angeles bis Hawaii aufgrund von mangelnden Sponsoren abgesagt werden musste, wird die L'Hydroptère 2015 in Hawaii zurückgelassen, wo er über 5 Jahre hinweg fast in Vergessenheit gerät.

Der Foil ist einer der wichtigsten Teile, weswegen eine penible Inspektion (Maël) unerlässlich ist. | Foto: Romain Boulanger
Hier kommt unser zweiter Creator ins Spiel: Gabriel Terrasse. Die Wege von Gabriel und Éric kreuzten sich wohl 1991 auf der Pariser Bootsmesse, auf der das Modell der L'Hydroptère vorgestellt wurde. Seit diesem Moment war der leidenschaftliche Segler Gabriel Feuer und Flamme, und richtete eine Internetseite ein, die später als offizielle Website des Trimarans diente. Allerdings hätte er sich damals wohl nicht träumen lassen, dass er 2019 seinen Job aufgibt, um mit all seinem Ersparten die langsam verrottende L'Hydroptère zu ersteigern und ihn vor dem Schiffsfriedhof zu bewahren.

Teamwork zwischen Loïc Mazas, Gabriel Terrasse und Corentin Romé (von hinten) | Fotos: Romain Boulanger
„Ich nahm mir eine Woche frei, kramte meine gesamten Ersparnisse zusammen und machte mich auf den Weg, um die L'Hydroptère zu kaufen. Ich wusste: Wenn das Boot nicht verkauft würde, würde es verschrottet werden. Für mich war es undenkbar, das aufzugeben, was ich als nationales Kulturgut betrachte.“
Nach sieben Jahren Arbeit, einer Reise von Hawaii nach San Francisco und einer französisch-amerikanischen Zusammenarbeit mit seinem Partner Chris Welsh, schlug der Hydroptère am 28. Juni 2019 ein neues Kapitel auf. Das für 8.500 Dollar erworbene Schiff über San Francisco, nach Mobile, Alabama, und schließlich über den Atlantik bis zu seinem Geburtsort in Frankreich, in die Nähe von Saint-Nazaire und Nantes, gebracht.
Hier treffen wir auf den 3. Creator Romain Boulanger, der den Prozess der Restauration über drei Jahre hinweg fotografisch dokumentiert hat. Für den Fotografen aus Nantes war die L'Hydroptère eher eine Kindheitserinnerung, die von der Nachricht über die Rückkehr des Trimarans nach Frankreich wieder geweckt wurde. Wie der Zufall es so wollte, wählte sein Chef bei City of Nantes, ihn als Fotografen aus, um die Story gemeinsam mit Journalistin Anne-Sophie Ply abzudecken. „Was mich an diesem Projekt – einer Geschichte, in der sich Träume, Leidenschaft und Entschlossenheit kreuzen – am meisten beeindruckt hat, war genau dieses Dreieck: die stabilste Form, um durchzuhalten und voranzukommen.“.

Gabriel Terrasse testet die Lenkposition, mit Loïc Mazas und Éric Rambaud. | Foto: Romain Boulanger
Da er als Fotograf in den letzten Jahren auch verschiedene Opernaufführungen verfolgte, wirkte die Geschichte, die mit Éric Tabarly begann und von Gabriel weitergeführt wurde, wie ein griechisches Drama auf ihn. Die perfekte Grundlage, um die L'Hydroptère in Szene zu setzen. So arbeitete er nicht nur an dem Artikel, sondern auch an einer Schwarz-Weiß-Fotoreihe über die Mission von Gabriel und seinem Team: der L'Hydroptère eine zweite Chance zu geben.
„Die Zeitlosigkeit und Eleganz von Schwarz und Weiß faszinieren mich. Instinktiv wollte ich von Anfang an in Schwarz-Weiß arbeiten – um mir Zeit zu nehmen. Die Linienführung der L’Hydroptère diente mir dabei als Leitfaden: Zunächst schwarz mit ihren ‚Schuppen‘ und nach der Transformation weiß mit einer Form, die einem Vogel ähnelt.“

Luckman, Airbus und U-Boot Lackierer, arbeitet an den Schwimmern (Unterteil). | Vorbereitung fürs Lackieren, zu sehen ist Maël. | Foto: Romain Boulanger
Gabriel Terrasse ist heute 49 Jahre alt und auch wenn Éric Tabarly die Wiedergeburt nicht miterleben kann, ist die L'Hydroptère – nach 10.000 Arbeitsstunden vollständig restauriert und bereit, erneut über die Ozeane zu fliegen. Danke an Romain Boulanger, der die Geschichte der unmöglich scheinenden Träume festgehalten hat.
Credits
Fotos: Romain Boulanger
Text: Romain Boulanger & Giulia Parise

