Die globale Surfkultur und ihre Entstehungsgeschichte wurden seit jeher von der verzerrten Perspektive der westlichen Deutungshoheit dominiert. Surfer? Blonde Haare, blaue Augen! Mit ihrem Buch „AFRO SURF“ stellen Selema Masekela und die afrikanische Surf-Brand „MAMI WATA“ gängige Klischees in Frage. Auf über 300 Seiten wird der traditionsreichen, vielfältigen, afrikanischen Surfkultur eine wunderbare Bühne geboten.
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Dieser Artikel erschien im Blue Yearbook #21. Gedruckt lesen sich solche Storys immer noch am besten. Alle Yearbooks kannst du ganz bequem in unserem Online Shop kaufen, genauso wie das Buch Afro Surf.
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„THE ENDLESS SUMMER“ – der Klassiker schlechthin und bis heute die Referenz für Surffilmer und Reisende auf der ganzen Welt. Über 50 Jahre nach der Premiere besteht neuer Anlass, sich kritisch mit einigen von Bruce Browns Inszenierungen auseinanderzusetzen. Besonders mit der Behauptung, Robert August und Mike Hynson hätten das Surfen in Westafrika eingeführt. Die Vorstellung, dass Westler exotische Länder bereisen und den verdutzten Einheimischen gönnerhaft das Geschenk des Surfens überreichen, zieht sich wie ein roter Faden durch unsere kulturschaffenden Medien.

LINKS: Aita Diop, 15 Jahre, aus Dakar, Senegal. Surft seit fünf Jahren und träumt davon, die Welt zu bereisen. Besonders die Wellen von Biarritz in Frankreich haben es ihr angetan. Ihr Ziel ist ein Platz im Team der Senegalese Surfing Federation, um Generationen von Mädchen nach ihr zu inspirieren. FOTO: DJIBRIL DRAME | RECHTS: Schluss mit der postkolonialen Perspektive. Eine neue Generation beansprucht die Rolle der Erzähler und Gestalter für sich und bricht mit Stereotypen. Auf Bestätigung von außen wird nicht mehr gewartet. FOTO: RICARDO SIMAL
Die erste historische Aufzeichnung des Wellenreitens stammt jedoch aus den 1640er Jahren im heutigen Ghana. Zudem gibt es Belege, dass sich das Surfen von Senegal bis Angola unabhängig weiterentwickelte. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Afrika Tausende von Kilometer an warmen, wellengesegneten Gewässern hat. Über den ganzen Kontinent verteilt leben hier Völker von starken Schwimmern, seefahrenden Fischern und Händlern, die eine tiefe, traditionsreiche Verbindung zum Ozean und den Wellen haben. Das Umdichten solcher Entstehungsgeschichten ist alles andere als ein unbedeutendes Detail, sondern Teil eines größeren Problems. Die bewusst einseitige Definition der Surfkultur und ihrer rechtmäßigen Erben hat System. Dabei sind die modernen Surfkulturen, die sich derzeit entlang Afrikas Küstenlinie entwickeln, kein Neuanfang, sondern eine Wiedergeburt. Sie sind das Ergebnis der Erinnerung und Neuinterpretation von tausend Jahre alten Traditionen.

Ironie, Stolz, Progression und Kulturschock. Es existiert alles parallel in der afrikanischen Kultur. Die Reaktion des Betrachters sagt womöglich mehr über die eigenen Vorurteile aus, als über die Motive selbst. Surfer: Cherif Fall. | FOTOS: , YORIYAS YASSINE ALAOUI (OBEN LINKS), NICOLE SWEET (OBEN RECHST UND UNTEN LINKS), RAMON SANCHEZ ORENSE (UNTEN RECHTS)
Surfer und Aktivist Selema Masekela sowie das Team der afrikanischen Surf-Brand „Mami Wata“ haben dieses kulturelle Whitewashing zum Anlass genommen, den Facettenreichtum der afrikanischen Surf- kultur in einem liebevoll gestalteten Sammelwerk zu präsentieren – mit mehr als 200 Fotos, 25 Profilen über einige der besten Surfer des Kontinents, Kunst, Rezepten und persönlichen Erzählungen.
„Mit ‚Afro Surf‘ wollen wir den Blickwinkel erweitern, wie das Surfen international wahrgenommen wird. Und natürlich den Menschen dabei den Reichtum Afrikas zugänglich machen. Die afrikanische Art ist sehr roh und ehrlich. Es gibt keinen Bullshit, keinen Versuch, jemanden zu beeindrucken. Die kollektiven und individuellen Erfahrungen an Land formen die afrikanischen Surfer zu dem, was sie im Wasser sind. Auf den Wellen bringen sie ihre persönliche und geteilte Geschichte zum Ausdruck. Es ist das Essen, es ist die Musik, es ist der Tanz. Es sind die Kultur und die Traditionen. Es sind all diese Dinge, die man nirgendwo anders nachmachen kann, und das wird die Art und Weise beeinflussen, wie man surft.“
Nataal ist ein erfolgreiches afrikanisches Medien- Kollektiv. Ihre kreative Bandbreite umfasst Print-Publikationen, Festivals und Filme. Damit bieten sie frischen Perspektiven auf Mode, Kunst, Musik und Lifestyle eine Chance auf internationale Aufmerksamkeit. | FOTOS: MOUS LAMRABAT (LINKS), RICARDO SIMAL (RECHTS)
„Afro Surf zeigt die Szene und ihre Entwicklung wie sie ist. Es soll inspirieren und wenn nötig auch anecken. Denn dies ist ein Buch, von dem ich glaube, dass es den Blick der Welt auf die Surfkultur neu definieren und erweitern wird.“ – SELEMA MASEKELA

