Unsere schnellebige Zeit ist von Effizienz und Kostenoptimierung geprägt. Echte Handwerkskunst ist eine Rarität. Doch es gibt sie noch, die meister einer aussterbenden Zunft.
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Dieser Artikel erschien im Blue Yearbook #20. Gedruckt lesen sich solche Storys immer noch am besten. Alle Yearbooks kannst du ganz bequem in unserem Online Shop kaufen.
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ZWEI WÖRTER, DIE BEI UNS SOFORT KOPFKINO AUSLÖSEN: North Shore! Die ganze Surfwelt blickt in den Wintermonaten auf den 11 Kilometer langen Küstenabschnitt von Oahu, wo sich ein legendärer Spot an den nächsten reiht. Die bekanntesten von ihnen sind Waimea Bay, Pipeline und Sunset Beach. Auch die Lineups sind ähnlich hochkarätig. Aus Hawaii kommen bekanntlich die besten Surfer, die besten Surfboards – und die besten Finnen. Auch wenn letzteres kaum ein Surfer auf dem Schirm hat. Doch in dem kleinen Städtchen Haleiwa an der North Shore schlägt in einer ehemaligen Zuckerrohrfabrik das Herz der Surfszene. In der heruntergekommenen Waialua Sugar Mill sitzen die Shaper Eric Arakawa, John Carper, Jon Pyzel und Carl Olsen – sowie eine unterschätzte Legende: Finnen-Designer Steve Mock mit seinem Brand „Island Fin Design“.
Seit 1979 stellt Steve von Hand Surfboard-Finnen in seiner kleinen Werkstatt an der North Shore her. Seine perfekt geschliffenen Einzelstücke stecken in Surfboards von Pyzel, von Weltmeister John John Florence und von Legenden wie Jeff Bushman oder Eric Arakawa. Das Markenzeichen von Island Fin Design sind die hawaiianischen Blumenmuster und andere lokale Stoffe, die in die Finnen eingearbeitet werden.
Steve lernte das seltene Handwerk von Bill Barnfield, einem Big-Wave-Surfer und einem der ersten Surfboard-Shaper und -Designer der 70er. Sein „Measurement Controlled Shaping“ revolutionierte in den 80er Jahren die Boardherstellung und gab Steve die Möglichkeit, sein Wissen in neue Finnen-Setups zu transformieren.

„Kurz nachdem ich angefangen hatte, Finnen zu bauen, wurden aus Single-Fin-Surfboards Thruster mit drei Finnen. Mit dem Zustrom von Surfern und Surf-Contests an der North Shore kam die Surfboardindustrie auf Hawaii richtig in Schwung. Anfang der 80er produzierten wir Finnen für 500 Surfboards pro Woche – die allein auf Hawaii hergestellt wurden.“
Finnen per Hand herzustellen erfordert viel Erfahrung und ist gleichzeitig harte Arbeit, da vorwiegend gesundheitsschädliche Arbeitsmaterialien zum Einsatz kommen. Wie viel Handarbeit in den Finnen steckt, zeigt sich schon an der Werkstatt von Steve, die voll mit Schraubstöcken, Bohr-, Schleif- und Formmaschinen ist – und überall liegt der feine Resin-Staub, der beim Abschleifen entsteht.
„Für einen geübten Finnen-Foiler dauert das Formen einer Finne fünf bis zehn Minuten. Aber beim Erlernen des Handwerks kann es mehrere Wochen dauern, bis man eine perfekte Finnen shapt“, erzählt Steve ruhig.
Die Finnen werden aus laminierten Platten geschnitten. Eine Finnen-Platte, aus der mehrere Finnen geschnitten werden, kann bis zu 30 Stück Glasfasermatten enthalten und sieben bis 11 Liter Harz aufnehmen.

Der 62-Jährige macht seine Arbeit immer noch gerne, denn das Shapen der Finnen ermöglicht es ihm, mit Hawaiis Top-Surfboardshapern und den besten Surfern zusammenzuarbeiten. Er stimmt sich mit den Shapern ab und probiert neue Designs und Finnenkombinationen aus, um die Performance der Boards zu verbessern.
„Von ihnen akzeptiert und geschätzt zu werden, ist sehr befriedigend“, sagt der charismatische Surfer. Wie geschätzt Steve in der Surfszene Hawaiis ist, zeigt alleine die Wand auf der linken Seite der Werkstatt, die an eine Art Surfmuseum erinnert. Hier hängen hunderte von Vorlagen für Finnen, die von Weltmeistern in den letzten dreißig Jahren verwendet wurden. Die Namen reichen von Surfpionieren wie Dick Brewer, Jack Bushman, Erik Arakawa, Bill Barnfiled und George Downing bis hin zu den Weltmeistern und Surfikonen unserer Zeit wie Kelly Slater und John John Florence.
Doch die Finnen per Hand zu shapen, ist auch sehr anstrengend und wird nicht gut entlohnt. Um überhaupt von seiner Handwerkskunst leben zu können, muss Steve täglich im Akkord Finnen herstellen. „Das Hantieren mit einer fünf Kilo schweren Schleifmaschine und anderen Werkzeugen sowie die Arbeit mit Harzdämpfen und Glasfaserstaub ist anstrengend. Man ist den ganzen Tag in einer rauen Umgebung mit viel Schmutz und Staub“, beschreibt Steve die Nachteile seines Handwerks.

Einst produzierte Island Fin Design tausende von Finnen für Surfboard-Hersteller auf der ganzen Welt. Heute werden die wunderschönen Finnen von Island Fin Design oft nur noch als Deko für trendige Waikiki-Hotels verwendet oder nach Japan verschickt, wo Handwerkskunst einen höheren Stellenwert hat. Wie es mit Island Find Design weitergeht, ist momentan unklar. Die vier Kinder von Steve haben zwar alle schon mit ihm zusammengearbeitet und helfen im Familienbetrieb mit, doch es hat sich noch keines dazu bereit erklärt, Island Fin Design weiterzuführen. Wer also noch eine handgefertigte Finne vom Meister möchte, sollte sich schnell eine bestellen!
Credits:
TEXT: Anita Fuchs
FOTOS: Katjana Frisch

